Das defekte Patentsystem – der Fall Honeywell gegen nest

von Moritz Machner am 8.2.2012

In schöner Regelmäßigkeit versuchen Lobbyisten in der EU und Deutschland Softwarepatente einzuführen und das Patentsystem generell zu verschärfen. Der Geheimvertrag ACTA ist hier nur eines der aktuelleren Beispiele. Nun hört man aus diesen Kreisen immer, dass das Patensystem die Innovation fördern würde. Hierzu gibt es aktuell ein schönes Beispiel aus den USA, wo das Patentsystem ja schon eher den Wünschen der Lobbyisten entspricht.

Nest, ein Startup welches einen innovativen Thermostat für Heizung und Klima produziert, wurde von Honywell verklagt. Meiner Meinung nach versucht nun der Konzern Honeywell, welcher die letzte Innovation in dem Bereich ganz offensichtlich vor der ersten Mondlandung hatte, seine Marktanteile mit Trivialpatenten zu sichern. Aber machen Sie sich selber ein Bild, hier ein Auszug der betroffenen Patente:

Das sind übrigens die beiden Geräte. Alt und neu. Es ist wirklich unerhört, was nest sich da erlaubt hat.

Und die Liste geht so weiter. Ich für meinen Teil bin froh, dass es in Deutschland noch keine reinen Software und Trivialpatente gibt. Aber wir sollten hier deutlich wachsamer werden, denn erstens schleichen sich immer mehr solcher Patente durch die Hintertür ein und zweitens arbeiten die Lobbyisten der großen Konzerne mit Hochdruck an einer Erweiterung der “Möglichkeiten”. Dann soll so eine Klage auch hier möglich sein. Es wäre ja ein Skandal erster Güte, wenn ein Konzern mit 122.000 Mitarbeitern und über 30 Mrd $ Jahresumsatz (laut Wikipedia) sich nicht mit Trivialpatenten gegen ein kleines Startup wehren könnten.

Falls der nächste Politiker ode Lobbyist sagt, Patente fördern Innovationen, dann möge er mir das mal genauer erklären. Der freie Markt der Ideen fördert Innovationen, und Softwarepatente und Trivialpatente sind nichts anderes als Patente auf Ideen.

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Moritz Machner

Mitbegründer von 42he. Technischer Kopf und Chefentwickler mit Passion für schlanke Designs.